Es war einmal ein König. Sein Name war Roonar. Er herrschte nordöstlich des Landes über die malerische Hafenstadt Llaughaven. Der himmlische Hafen lag in einer von Sturm und Wind geschützten Bucht der Baatorianischen See. In der Stadt an der Küste florierte der Handel und das Geschäft mit See- und Kaufleuten aus allen Teilen diesseits und jenseits des Landes.

Llaughaven gedieh prächtig und König Roonar wurde reicher und reicher und immer reicher. Irgendwann war der Fürst so reich, dass er nicht mehr wusste, was er mit den vielen Goldstücken in den Truhen seines Palastes anfangen sollte. Er hatte Furcht, all seinen Reichtum zu verlieren. Also ließ er einen Teil seiner Münzen in einem riesigen Ofen zu flüssigem Gold schmelzen, um sich daraus einen gigantischen Thron mit edlen Ornamenten fertigen zu lassen. So saß er auf seinem glänzenden Herrschersitz und behielt seine Schatzkammern argwöhnisch im Auge, sodass ihm niemand seiner Schätze berauben konnte. Jedoch war ihm das nicht genug und er schmolz weitere Goldstücke, um davon mannigfache Kronen in unterschiedlichster Optik für sein königliches Haupt zu kreieren.

Glanzvolle Kronen, wie sie die Welt noch nie gesehen hatte. Gefertigt von den besten Goldschmieden des Landes, die in höchster Perfektion und liebevoller Hingabe feinste Verzierungen und edle Juwelen in die strahlend-glänzenden Schmuckstücke einarbeiteten. Schon bald hatte der König unzählige Kronen in seinen gläsernen Vitrinen. Stunde um Stunde wechselte er vor dem Spiegel die Kronen und betrachtete mit funkelnden Augen seine wertvollen Besitztümer. Für jede Gelegenheit besaß der eitle König eine Krone, passend zu jedem Gewand, da die Farben der Juwelen seiner Kleidung angepasst waren. Dabei vergaß der König, wem er seinen großen Reichtum zu verdanken hatte – seinem fleißigen Volk. Die Menschen wurden unruhig und erinnerten sich an böse Zeiten, in denen die Gier der vier Könige, die „Allianz des Bösen“, zu einem schrecklichen Krieg geführt hatte.

Die Berater des Königs versuchten ihn von seiner Eitelkeit und Habsucht zu befreien, was sich als unmöglich herausstellte. Jeder noch so kluge Ratgeber landete im Kerker oder fand sich ohne Kopf auf dem Friedhof wieder. So legten sie dem König schließlich die Heirat mit einer Prinzessin nahe. Die von ihnen erkorene Prinzessin sollte liebevoll, schön und voller Eleganz sein, um den schlechten Ruf des Königs in den Schatten zu stellen. Eine solche Königin würde das Volk beruhigen und darüber hinwegsehen, welch‘ schlechtes Vorbild der Fürst bei seinen Untertanen abgab. Dieser Vorschlag wurde von Roonar mit heller Freude akzeptiert, denn die Verwandtschaft zu einem anderen Königreich würde seine Machtverhältnisse zusätzlich ausweiten.

Wagemutige Reiter wurden in alle Teile der Reiche entsandt, um die frohe Botschaft zu verkünden und sich auf die Suche nach einer graziösen Prinzessin zu begeben. Daraufhin stellte sich eine Vielzahl junger adeliger Mädchen ferner Länder beim König vor. König Roonar war jedoch nicht so leicht zufrieden zu stellen, denn seine Ansichten hinsichtlich einer schönen Gemahlin trennten sich weit vom Erscheinungsbild und dem Auftreten der am Hofe vorstelligen Damen.

Eines Tages jedoch erschien eine so wunderschöne Prinzessin, dass es allen den Atem verschlug. Anmutig, liebreizend, innerlich und äußerlich von höchstem Charakter und tadellosem Benehmen. Ihre Ausstrahlung ließ selbst die Sonne erblassen. Die feinen Gesten, mit der sie liebevoll jeden berührte, egal, ob arm oder reich, durchzogen das Reich wie einen feinen Schleier. Jeder wollte in ihrer Nähe sein, ihrer sinnlichen Stimme lauschen und sie berühren, nur um etwas von ihrem Zauber zu erhaschen.

Ihr Name war Zyria. Die Prinzessin umgab sich fast ausschließlich mit den farbenprächtigsten und ästhetischsten Dingen, die sie auf Märkten oder in der Natur fand. Ihre stetigen Begleiter waren ein prächtig-rosa-leuchtendes Flamingo-Pärchen, die dafür sorgten, dass Zyria immer gut gelaunt und niemals verdrossen oder mürrisch den Tag begann. Sie half Menschen, liebte den Schlosspark und jedes noch so kleine Wunder der Schöpfung, welches sie dort vorfand. Alles in allem war die Prinzessin ein strahlender Stern, der nun für Roonar hell leuchten und alles Dunkel im Herzen des Königs vertreiben sollte. Prinzessin Zyria wurde zur Königin von Llaughaven und schenkte dem König einen Sohn mit dem Namen Monderyan. Das Volk vergötterte sie von ganzem Herzen und wollte sie nie mehr missen. Doch wenn ein Stern zu hell leuchtet, zieht er oftmals auch das Dunkle an.

Der dunkle Händler

Der König bewunderte an einem sonnigen Tag wie so häufig seine schillernden Kronen, als ein Händler um eine Audienz bat. „Edler König. Mein Name ist Llyras. Ich bin ein fliegender Händler. Euer Ruf, der großmütigste König aller Lande zu sein, eilte über die Grenzen und erreichte mich in meinem bescheidenen Domizil im hohen Norden. Sogleich begab ich mich auf die Reise, um Euch zu huldigen!“. Der fliegende Händler, ein in edlem Stoff gekleideter Geselle, verbeugte sich tief vor dem König und wedelte in höflichster Manier mit seiner pechschwarzen Kopfbedeckung, an der eine goldene Feder mit blauer Perle prangte.

„Was führt Dich zu mir?“ fragte der König mürrisch, ohne seinen Blick vom eigenen Spiegelbild abzuwenden.

„Geschätzte Hoheit. Mein Berufsstand verrichtet das geschickte Handwerk eines Kaufmanns und Händlers. Ich habe mir erlaubt, Eurem hohen Stande gemäß einige Gewänder ferner Länder zu erwerben. Welch Freude würde der König mir erlauben, würden diese des Herren Blickes Gnade finden.“

Der König wandte sich mit arroganter Miene zum Händler. „So lass‘ sehen, was Du für mich geschneidert hast.“ Llyras lächelte, schnippte kurz mit dem Finger und mehrere schrankhohe Koffer wurden von Gesellen herein gerollt. „Wie praktisch, Gepäckstücke auf Rollen.“ Der König zeigte sich von den opulenten, mit Goldschmuck verzierten, Koffern beeindruckt. Mit geschickten Handbewegungen öffnete der Händler die Lederkoffer und offenbarte dem König prächtigste Gewänder in Samt und Seide. Nach und nach wechselten die Kleidungsstücke den Besitzer, denn zu jedem Gewand fand der König in einer seiner unzähligen Glasvitrinen eine passende Krone. Die Juwelen im Gold der Kronen glänzten mit der prächtigen Seide und den leuchtenden Augen des Königs um die Wette.

„Wie wunderbar! Wie glanzvoll!“ säuselte der Händler dem König leise ins Ohr. „Sehet selbst, Eure Hoheit. Kein König strahlt mehr im Glanze seiner Erscheinung als Ihr selbst!“ Mit Stolz erhobener Brust betrachtete Roonar sein Spiegelbild. „Ihr seid der König der Könige. Nur ein Hauch fehlt Euch noch, dann seid Ihr mehr als der König einer Hafenstadt, dann steht Ihr über all den anderen Königen des Landes.“

Der König runzelte die Stirn und drehte sich erzürnt zum Händler. „Ein Hauch von was!? Ich bin der reichste König, mir fehlt es an nichts und was können die anderen königlichen Nichtsnutze schon mehr bieten als Reichtum, Gold und gefüllte Schatzkammern!“

Llyras verbeugte sich tief und bat um Vergebung. „Herr, Ihr seid einer der mächtigsten Könige und ich habe schon viele Herrscher angetroffen, die Euch niemals im Entferntesten die Krone reichen dürften. Dank Eurer erhabenen Erscheinung stellt Ihr alles – selbst die Götter oder Fürsten der Finsternis – in den Schatten.“

Der König schnaubte. „Welchen Hauch meinst Du? Was meinst Du damit?! Was fehlt mir an entsprechender Präsenz, die anderen Könige zu übertreffen?“

„Es wäre ein Meisterstück, ein vollendetes Gewand, welches mit der passenden Krone aus einem König einen Kaiser machen würde.“ schmunzelte der Kaufmann und deutete dabei auf die unzähligen Kronen, die im müde werdenden Sonnenlicht funkelten.

„Wie gelange ich zu diesem Gewand. Was benötigst Du, um mir ein solches zu fertigen?“ Der König wandte sich neugierig an den Händler. „Wo erhalte ich einen Stoff, der noch prächtiger und würdevoller meine Person in göttlichem Glanze erstrahlen lässt?“

„Feinste Stoffe liegen bereits auf Vorrat in meinen prall gefüllten Lagern im Nord-Osten, ich habe sie fernab der Heimat im mediterranen Süden erworben. Diese Stoffe sind in unseren Gefilden gänzlich unbekannt und deshalb etwas so Einzigartiges. Um das Gewand zu fertigen, benötigt Ihr genau genommen drei zusätzliche Dinge: den schwarz-silbernen Garn, der aus dem Fell eines llyrischen Stinktiers gewonnen wird. Den güldnen Saum, der als Verzierung für Wappen und Nähte dient, findet Ihr in der Mähne und im Schweif eines widerspenstigen, tiefschwarzen Hengstes. Leider grasen diese heißblütigen Tiere nicht mehr in den Steppen von Llanfyllant. Ihr wisst ja, verehrter König Roonar, dass damals die Bergoger fast alle dieser wunderbaren Tiere gefangen und verspeist haben sollen. Zwei Tiere, so erzählt man sich, sollen aber in Angelwood ein sicheres Zuhause gefunden haben.“ Der gewiefte Händler beugte sich zutraulich zum König. „Zuguterletzt fehlt zur Krönung Eures überragenden Hauptes eine schwarze Krone. Vergesst all die Kronen, die Ihr bis heute majestätisch auf Eurem Haupt gebettet habt. Eine schwarze Krone würde Euch zum König der Könige machen!“

Die Augen des Königs begannen zu glänzen. Llyras fuhr in seiner Ausführung fort. „Eine schwarze Krone, besetzt mit zwei blutroten und einem tiefblauen Juwel, die mächtiger als all die anderen Kronen der bisherigen Herrscher neue Zeichen setzen wird. Diese Krone und die Juwelen umgibt die Magie der Hölle und lässt den Besitzer mächtiger denn je über alles auf dieser Erde gebieten. Selbst über den Kompass würdet Ihr dann herrschen. Mit diesem Gewand und der schwarzen Krone zeigt Ihr all den anderen Königen, wer der wahre und mächtigste Fürst ist.“

Der König konnte den Überschwang seiner Stimme kaum noch zurückhalten. Vergessen war das Gewand, eine Krone von solch‘ unglaublicher Ausdruckskraft machte Roonar noch wissbegieriger. „Eine schwarze Krone? Blutrote Juwelen? Wo finde ich die königlichen Zutaten für dieses unvergleichliche Meisterwerk?!“

„Die schwarze Krone selbst findet Ihr, weiser König, im Tempel der Bruderschaft der Heiligen Asche. Er wird dort von recht trinkfreudigen Mönchen streng bewacht. Die zwei blutroten Juwelen, die in die schwarze Krone eingelassen werden müssen, um die Macht der Krone erstrahlen zu lassen, liegen zum einen im Grab des einstmals mächtigen Königs von Wrath, dem Doom of Horror. Das zweite Juwel findet Ihr in der Piratenstadt Paradise. Den letzten und größten Stein behütet der König der Geisterhafenstadt Tarth.“ Llyras lächelte geheimnisvoll. „Dank Euch, wird Eure Hafenstadt noch mächtiger, noch reicher und damit sicherlich zum Mittelpunkt aller Ländereien. Ihr schwingt Euch zum König über alle Menschen und Kreaturen empor – die Könige aller Reiche müssten Euch huldigen, da Ihr die Macht der Titanen in dieser Krone vereint.“

„In den markverzehrenden Bergen von Wrath? Dort, wo schreckliche Schatten über verhängnisvolle Wirrgänge und abgrundtiefe Schlünde den Eingang zur Hölle regieren? In der Hafengeisterstadt von Tarth, eingekesselt von nebulösen Schwaden und finsteren Gestalten? Kein noch so tapferer Mann ist von dort jemals zurückgekehrt!“ Roonar verzog sein Gesicht, als ob er gerade in eine saure Zitrone gebissen hätte. „Mit Paradise und den Piraten werde ich fertig, das ist gewiss. Jedoch erscheinen mir die Geisterkönige von Tarth und deren Knochenjäger eine schier unmöglich zu lösende Aufgabe!“

„Mein werter Gebieter. Ihr besitzt bereits alles und Euer Reich ist Allerortens bekannt. Ich kann verstehen, wenn Ihr auf dieses gefährliche Unterfangen verzichten wollt.“ Der Händler begann die Gewänder langsam in den schmucken Koffern zurück zu verstauen. „Vielleicht schafft Ihr es ja auch ohne diese Krone und mit den bisher angehäuften Besitztümern zu Lebzeiten zum mächtigsten Herrscher aufzusteigen.“

Der König lief mit verschränkten Armen aufgeregt im prächtigen Thronsaal auf und ab. „Nein, nein, nein … es muss einen Weg geben, wie ich zu dieser Krone und den Steinen der Macht gelange. Mein Reich im Verbund mit der schwarzen Krone würde über viele Jahrzehnte meine Regentschaft und somit ungeheuren Einfluss sicherstellen.“ Begieriger Glanz spiegelte sich in Roonar‘s Augen. „Ich würde die anderen Hafenstädte ihrem Einfluss berauben, den lächerlichen Kompass der Götter und deren Werte zerstören und ein neues, mächtigeres Licht, dass meiner Krone, würde an den Ufern der Baatorianischen See nur noch für meine Schiffe leuchten. Andere Handelsschiffe müssten für unser Leuchtfeuer mit dem Glanz des Goldes und der Edelsteine bezahlen, um sicher die Kaimauern der Häfen zu erreichen und nicht an den gefährlichen Klippen zu zerschellen. Dann würde ich die umliegenden Inseln zu einem gigantischen Hafen mit weiteren Schiffen ausbauen und meine Seemacht wäre unbesiegbar. Das Gold, welches dann in Strömen fließt, würde mich noch reicher machen!“ Die Gier in den Augen des Königs war unübersehbar.

„Mein werter König. Für einen solchen Plan benötigt Ihr sicher noch einiges mehr an Soldaten und Kriegsschiffen, denn Ihr müsst vom Lande her ebenso agieren können wie zu See.“

„Llyras, mach Dir keine Sorgen. Eine große Flotte nebst ehrenlosem Lumpenpack kreuzen bereits seit den ruhmreichen Tagen meines Vaters unbehelligt die Ozeane. Kleinere Schiffe befahren die Flüsse im Landesinneren. Schenk ihnen etwas Gold und ein paar Fässer Rum, dann sind diese Halunken zu allem bereit. Ich bin einer der reichsten Könige und dank meines Goldes werde ich immer Männer finden, die aufgrund ihrer Habsucht für mich lügen, betrügen und morden. Was denkst Du, wie mein Königreich all das Gold anhäufen konnte. Nur über den Handel mit Seide und Tierfutter?“ Der König lachte schallend und warf dabei den Kopf vergnügt hin und her. Bereits nach kurzer Zeit hatte der König großes Vertrauen zu dem fliegenden Händler gefunden, da dieser in ihm das Feuer der lodernden Gier entfacht hatte.

„Eines habe ich aber bis jetzt noch nicht ganz verstanden: was hast Du davon, mir all das Wissen anzuvertrauen? Du wirst sicherlich einen gewissen Eigennutz aus der Geschichte ziehen wollen, oder?“

„Natürlich, werter Gebieter. Eine Hand wäscht die andere.“ Llyras lächelte. „Um die Juwelen in die schwarze Krone einzulassen, benötigt es die erfahrene Kunst eines Meisters der dunklen Magie; diesem Meister diene ich. Nur mit einem starken König wie Euch können wir unsere Kräfte bündeln. Dunkle Magie und königliche Macht, das waren schon immer die Grundpfeiler unbegrenzter Herrschaft.“

Llyras trat an eines der mächtigen Fensterbögen und deutete mit ausgestrecktem Zeigefinger direkt hinunter auf den Schlosspark, wo Zyria gerade mit den beiden Flamingos spazieren ging. „Ihr müsst mir nur eine kleine Gegenleistung erbringen. Übergebt mir Eure werte Gemahlin und legt ihre bunten Vögel noch mit drauf. Dann sind wir im Geschäft.“

Roonar‘s Gesicht verfinsterte sich. „Meine Frau? Die wunderschöne Zyria? Was willst Du mit meinem Weib? Die rosafarbenen Federviecher kannst Du sofort haben, aber meine Frau?! Bist Du des Wahnsinns einen solchen Handel überhaupt vorzuschlagen?“

Der Händler winkte beruhigend ab. „Mein König. Ich werde Eure Frau natürlich wohlbehütet zu Euch zurückbringen. Nur benötigt mein Meister ein kleines Unterpfand, damit er weiß, dass Ihr Euch ernsthaft um unser Anliegen kümmert. Schließlich geht es hier um ein Bündnis!“

„Und wer sagt mir, dass Du meiner Frau nichts antust?“

„Keine Sorge, Eurer Frau wird kein Härchen gekrümmt. Hätte ich Euch sonst über die Krone und deren Vorzüge für Euch erzählt?“ Llyras lächelte diabolisch. „Aber, wenn Euch Eure Frau so viel bedeutet, kann ich das verstehen. Liebe geht über alles und niemand darf ein Liebend‘ Paar trennen.“

Der König überlegte kurz. „Weiber und Liebe kommen und gehen, aber die Aussicht auf die Macht über alle Länder wird mir nicht nochmals gegeben.“

Roonar legte seinen Arm über die Schulter des Händlers. „Versprich mir, dass es ihr gut ergehen und es ihr an nichts fehlen wird. Mein Volk liebt diese Frau, warum auch immer. Sie wirkt beruhigend und es kommt dank ihrer Anwesenheit zu keiner Revolte.“

„Ich verspreche Euch löblich, auch im Namen meines Herrschers, das Eurer Frau nichts geschehen wird. Mein Meister wird sich Eurer Königin persönlich annehmen und ihr jeden Wunsch von den Lippen ablesen. Sobald Ihr, werter König, die Krone und die Steine erobert habt, wird sie umgehend zu Euch zurückkehren und Ihr werdet zum alleinigen Herrscher über alle Länder.“

„Abgemacht! Sie gehört Dir! Die Vögel mochte ich sowieso nicht. Tu‘ mir den Gefallen und bereite Dir eine schöne Geflügelsuppe aus den beiden Viechern.“ Der König schüttelte kräftig die Hand des Handelsmanns. „Ich werde Zyria einfach erklären, dass sie aus Sicherheitsgründen von Dir für ein paar Tage an einen anderen Ort gebracht wird. Dem Volk begründe ich ihre Absenz aufgrund einer schweren Krankheit und dass sie bettlägerig ist.“

Die Augen des Händlers blitzten wie kleine, violette Flammen. „Ich danke Euch für Euer Vertrauen, werter König.“

An diesem Tag verschwanden Zyria und ihre wunderschönen Flamingos aus dem Schloss König Roonar’s und seinem Königreich. Sie wurden nie mehr gesehen … jedenfalls nicht mehr so, wie sie die Menschen liebevoll ins Herz geschlossen und zuletzt in Erinnerung hatten.

König Roonar hatte seine Frau wie eine Trophäe in einem Kartenspiel einem Fremden überlassen, doch diese Partie wurde zum Spiel mit dem Feuer, bei dem sich der König die Finger verbrennen sollte.

Die Liebe erstarrte zu Stein, das Bunte wich dem Grau der Angst.